Kutschenmuseum Hinterstein
Eine Attraktion der besonderen Art stellt das Kutschenmuseum in
Hinterstein bei Bad Hindelang /Allgäu dar.
Martin Weber hat in einem äußerlich eher unauffälligen Holzschuppen ein
traumhaftes Kleinod geschaffen. Teilweise jahrhunderte alte Schlitten
und Kutschen sind in einer märchenhaften Kulisse ausgestellt.
Das Kutschenmuseum befindet sich auf der Gegenseite der Ostrach und ist
ab Ortsmitte Hinterstein gut ausgeschildert in ca. 10 Minuten zu Fuß
erreichbar.
Der Eintritt ist kostenlos und das Museum ganzjährig von 8-20Uhr
geöffnet.
Pressestimmen zum Kutschenmuseum:
Malermeister Weber betreibt sein eigenes Kutschenmuseum
Eine Märchenwelt der besonderen Art
Malermeister Martin Weber hat eine Phantasiewelt der ganz besonderen Art
geschaffen. «Gehen sie doch erst mal alleine für ein paar Minuten
hinein», empfiehlt er der Besucherin, die mit ihrem Begleiter gemeinsam
Weg durch den Schnee hoch gestapft ist zum Kutschenmuseum von
Hinterstein, einem Ortsteil des schwäbischen Bad Hindelang.
Bad Hindelang (ddp-bay). Malermeister Martin Weber hat eine
Phantasiewelt der ganz besonderen Art geschaffen. «Gehen sie doch erst
mal alleine für ein paar Minuten hinein», empfiehlt er der Besucherin,
die mit ihrem Begleiter gemeinsam Weg durch den Schnee hoch gestapft ist
zum Kutschenmuseum von Hinterstein, einem
Ortsteil des schwäbischen Bad Hindelang. Eine Viertelstunde später kommt
die Frau mit glänzenden Augen zurück. «Das musst du sehen», sagt sie zu
ihrem Begleiter. Man öffnet die Tür - und kommt aus der herrlichen Berg-
und Winterlandschaft des Oberallgäus in eine völlig andere Welt. Die
Augen fassen es erst nach und nach, was sie sehen. Es glitzert überall,
die Spiegel reflektieren warmes und glitzerndes Licht. Der erste
Eindruck ist, als würde man in die Filmkulisse von «Doktor Schiwago»
hineinschreiten. Den Pferdeschlitten nimmt man zunächst nur unbewusst
wahr, der Blick ist auf das Paar im Schlitten gerichtet, sie schmiegt
ihren Kopf an ihn. Stolz, aber ein wenig traurig blicken die beiden
lebensecht wirkenden Puppen. Ein paar Schritte weiter der
Engelsschlitten, unscheinbar auf den ersten Blick, aber das älteste
Stück der Ausstellung. Am Pferdemarkt in München hat ihn Martin Weber
erworben, ein wendiges Gefährt aus dem 17. Jahrhundert. Ein riesiger Bär
steht neben einer anderen Kutsche mit jungen Frauen, dahinter gleich die
«Victoria», eine Hochzeitskutsche. Nicht weit weg davon ein alter
Leichenwagen aus Böhmen. Stolze Hirsche, ein Widder, ausgestopfte Vögel
sind da, ein echtes Pferd. Rundherum eine Wald-Landschaft wie in der
Phantasie von Ludwig II. So könnte er sich sein Spielzimmer vorgestellt
haben. «König Ludwigs Märchenwelt, ja das kann sein, zumindest in meiner
Kindheit war ich ein großer Träumer», sagt der Mann, der das in den
vergangenen achtzehn Jahren alles geschaffen hat. Seine Welt, seine ganz
andere Welt, ein klein wenig «Sehnsucht nach dem Paradies» spiegelt sich
hier. Bis kurz vor der Priesterweihe hat dieser 44-jährige Allgäuer
Theologie studiert, dann ist er umgestiegen, hat seine
Malermeisterprüfung absolviert. Mit 26 Jahren hat er mit dem
Kutschenmuseum angefangen. «Es ist schön, aber auch unheimlich», sagt
eine Besucherin ganz leise, gerade so, als wolle sie die sanfte Musik,
die Atmosphäre in diesem Märchenreich nicht stören. Ihr Mann nickt:
«Eigenartig, ein wenig gruselig», sagt er. Ein anderer Besucher aus
Sachsen fühlt sich «wie in einem kleinen Wintertraum». Draußen vor der
Tür wird es ein wenig lauter. Eine kleine Besuchergruppe aus Ludwigsburg
kommt. «Zum dritten Mal sind wir schon da», erklärt eine Frau. «Ich
wollte es meiner Schwester zeigen, das muss sie einfach gesehen haben.
Sie war nämlich noch nie da.» Kaum öffnen sie die Tür, hören die Musik,
da werden auch sie ganz still. Martin Weber liebt sein Museum. Seine
Frau geht aber nur ganz selten mit ihm hierher. «Meistens findet sie
dann etwas, das ihr nicht gefällt, das ändere ich dann.» Weber ist hier
im langen Alpental von Hinterstein geboren, als eines von acht Kindern.
Er war viel alleine in seiner Kindheit, viel draußen in den Wäldern, auf
den Bergen. Das hat ihn geprägt. Obwohl jährlich rund 60 000 Besucher
den Weg in diesen alten Schuppen finden, wird der Tipp meist nur unter
Freunden weiter gegeben. Vom Parkplatz im Hintersteiner Tal sind es
fünfzehn Gehminuten zum Museum. Es geht über einen Feldweg über
verschneite Wiesen und über eine überdachte Holzbrücke. Viele machen
abends eine Fackelwanderung durch den Schnee dorthin. Niemand ist dann
da, um Eintritt zu kassieren. Wer möchte, wirft etwas in die Blechbüchse
am Eingang. Damit finanziert der Malermeister die Stromkosten und den
Unterhalt. «Es soll nur der was geben, dem es etwas gegeben hat», sagt
er. (ddp) © ddp
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