Die ERBA und ihre Menschen in Wangen im Film

Samstag, 8. Mai 2021

4.5.2021 Wangen im Allgäu. Steffen Oesterle hat Oberbürgermeister Michael Lang mit der Kamera beim Rundgang begleitet.

Bundesweit wird in diesem Jahr das Jubiläum 50 Jahre Städtebauförderung begangen. Zum Tag der Städtebauförderung am Samstag, 8. Mai 2021, veröffentlicht die Stadt Wangen einen Film über die Veränderungen in der ERBA und die Menschen, die das Leben dort ausmachen.

Sehr gerne hätte die Stadt Wangen – wie in den vergangenen Jahren – das Ereignis mit einer Veranstaltung gewürdigt. Weil das nicht möglich ist, nimmt Oberbürgermeister Michael Lang alle Interessierten in einem Film mit ins Gelände.

Mit der Kamera wurde er begleitet von Steffen Oesterle, der bereits zu Neujahr einen sehenswerten Film über verschiedene Entwicklungen in der Stadt gedreht hat. Abrufbar sind die Filme auf dem YouTube-Kanal der Stadt Wangen im Allgäu oder über www.wangen.de/erba2021

OB Lang besuchte für den Film Steffi Schneider in ihrer Steinmanufaktur. Sie arbeitet dort bereits im Vollbetrieb und baut sich quasi nebenher die oberen beiden Stockwerke zur Wohnung um. Mit OB Lang spricht sie über das Leben und ihre Arbeit in der ERBA. Die beiden Vorsitzenden des Portugiesischen Kulturvereins und des Türkischen Vereins, Teresa Fernandes und Hakan Abis, erzählen davon, wie ihre Eltern in der ERBA arbeiteten und was sie bis heute mit dem Gelände verbinden.

Teresa Fernandes hat zum Beispiel mit ihrem Mann den ERBA-Garten von den Eltern übernommen, die inzwischen ihren Ruhestand in Portugal genießen. 2022 feiert ihr Verein sein 50-Jahr-Jubiläum. 1966 kamen die ersten 28 „Gastarbeiter“ aus dem Land auf der iberischen Halbinsel, weil sie gesuchte Fachleute in der Textilproduktion waren.

Heute leben in Wangen rund 350 Menschen mit portugiesischen Wurzeln, wie Fernandes berichtet. Oder Hakan Abis, der mit seinen Eltern und Geschwistern 1981 aus Erlangen nach Wangen kam, weil sein Vater in der Wangener ERBA ein Jobangebot hatte. Der Türkische Verein wurde 1984 gegründet und ist Heimat, zweier Herren-Fußballteams und zweier Kindermannschaften.

Hakan Abis sagt: „Wir möchten, dass das hier auch nach uns weitergeht.“ Der Lindenhof, in dem beide Verein nebeneinander untergebracht sind, wird auch mit Hilfe der Stadt saniert. Hakan Abis ist sich sicher: „Durch die Landesgartenschau wird die ERBA der schönste Stadtteil von ganz Wangen.“

Der Weg führte OB Lang auch zu Guiseppe Cassano. Der freundliche Mann – ursprünglich aus Italien – ist jeden Tag in der ERBA. Er trifft sich mit Freunden zum Erzählen und zum Boccia spielen. Viele verschiedene Nationalitäten gehören laut Karl Laible dem Freundeskreis an. Auch Laible schaut häufig in der ERBA vorbei. „Wir sind kein Club und kein Verein, sondern Freunde“, sagt er.

Seit 1973 wird in der ERBA das Spiel mit den Kugeln gepflegt. Das wird auch weiter so sein, wenn die Bahn samt Häuschen in die Schrebergärten umziehen wird. Denn schon jetzt kommen die neuen Nachbarn vorbei, die ihre Wohnungen beziehen. Wie zum Beispiel die Mitglieder der Genossenschaft Wohnen+. Auch dort geht es international zu: In den derzeit sechs bezogenen Einheiten leben fünf verschiedene Nationalitäten, wie Ulrike Tröbst berichtet.

Bis es so weit ist, dass die Familie Schneider-Campillo ihr künftiges Domizil am Spinnereigarten beziehen kann, ist noch viel Arbeit nötig. Das Haus, das ungefähr so alt ist wie die Alte Spinnerei und auch ihr tatsächlich nachempfunden wurde, wird derzeit von der Familie im wörtlichen Sinne grundlegend saniert. Am Ende werden hier drei Generationen unter einem Dach leben.

In der Alten Spinnerei besucht OB Lang den ERBA-Museumsverein, der das Erbe des Textilbetriebs bewahren möchte. Die Vorsitzende Helga Mayer erzählt als Tochter des früheren Spinnereileiters Helmut Sprissler von ihren familiären Verbindungen in die ERBA, aber auch von deren Entwicklung, die sich an vielen schönen Stücken in der Sammlung des Vereins nachvollziehen lässt.

ERBA Museumsverein Helga Mayer (Quelle: Stadt Wangen im Allgäu Pressestelle)

Auf der anderen Seite des Hochkanals sind Bagger unterwegs und schaffen die Grundlage für den Bau von mehr als 200 Wohnungen. Noch bewegen dort auch die Reiter ihre Pferde. Sie werden aber bald in den Süden der ERBA ziehen und dort ein neues Gebäude errichten. Andrea Bietsch vom Vorstand des Reit- und Fahrvereins sieht es als Chance, einen Neubau mit ebenfalls neuer Außenanlage nutzen zu können, wie sie sagte.

Natürlich führt der virtuelle Rundgang auch zu den städtischen Baustellen, die vom Bund über das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und auch vom Land über die Städtebauförderung mitfinanziert werden: das Pförtnergebäude, wo der Film beginnt; auf den Platz beim Schornstein, wo der Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH, Karl-Eugen Ebertshäuser, und die Landschaftsarchitektin Katharina Bernt darüber plaudern, wie es ihnen drei Jahre vor der Landesgartenschau in Wangen geht.

Vorbei an der Festwiese, auf der es Veranstaltungen geben kann, und durch die Unterführung Richtung Auwiesen geht es. Ebenfalls Teil der Bundesförderung sind der Vorplatz und die Umgebung der künftigen Energiezentrale, die zu einer attraktiven Freifläche mit Spielplatz erschlossen werden. Dort können dann Kinder das Thema Energie erleben. Stadtwerkeleiter Urs Geuppert berichtet von den Anstrengungen des städtischen Unternehmens, die ERBA mit nachhaltiger Energie zu versorgen.

Die Städtbauförderung ermöglicht auch in Wangen viele Entwicklungen

Hinter der bundesweiten Erfolgsgeschichte der Städtebauförderung, die gemeinschaftlich von Bund, Land und Kommunen umgesetzt wird, steht ein ganz besonderer Ansatz, wie es im Aufruf zur Beteiligung am Jubiläum heißt:

„Die Städtebauförderung ist ein quartierbezogenes und integriertes Programm.“ In Wangen ist das ablesbar an drei großen Projekten: Der Altstadt, deren Sanierung seit 1979 gefördert wird. Dem Adlerareal, dessen Förderung für den Umbau von der früheren Käserei zum Wohngebiet mit Gewerbe 2009 begann und dem ERBA-Gelände, wo die verlassene Baumwollspinnerei und -weberei zum bunten Stadtquartier umgebaut wird, in dem gewohnt, gearbeitet und gelebt wird. Die Förderung für den Umbau der ERBA läuft seit 2010.

In den rund 40 Jahren, in denen es in Wangen die Städtebauförderung gab, wurden rund 350 Gebäude saniert und energetisch ertüchtigt. Das Geld dafür wurde über die Landesregierung zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit sind Zuschüsse in Höhe von rund 25 Millionen Euro in die Stadtsanierung geflossen. Die privaten Investitionen liegen heute in der Regel um das zwölf- bis 15-fache höher als die Zuschüsse.

Wangen im Allgäu hat das Glück, dass viele Eigentümer in ihren Häusern in der Altstadt leben und dort ihre Geschäfte betreiben. Deshalb haben sie auch ein persönliches Interesse, die Bausubstanz in einem guten Zustand zu erhalten und das äußere Erscheinungsbild ansprechend zu gestalten, sagt der Sanierungsbeauftragte Martin Schwenger.

Dies alles trug dazu bei, dass die Altstadt bis heute eine gute Einzelhandels- und Dienstleistungsvielfalt mit 180 Einzelhandelsgeschäften, über 20 Gastronomiebetrieben und ca. 20 Cafés bietet. Dieses attraktive Angebot lockt viele Touristen in die Stadt, die hier Dienstleistungen in Anspruch nehmen, einkaufen und einkehren. 2019 wurden in Wangen rund 220 000 Übernachtungen und etwa 500 000 Tagesgäste verzeichnet.

Gelungene Beispiele aus jüngster Zeit

Aus der Vielzahl der gelungenen Objekte seien hier nur ein paar wenige aus der jüngsten Vergangenheit erwähnt. Das Haus Reimer in der Schmiedstraße, das mit drei großzügigen Wohnungen und einem Café im Erdgeschoss, von 2006 an fünf Jahre lang saniert wurde.

Im Haus Seitz in der Herrenstraße 13, dessen Umbau über zwei Jahre lief und 2020 abgeschlossen wurde, entstanden vier moderne Wohnungen. Der Gewölbekeller wurde ebenso saniert wie das Ladengeschäft im Erdgeschoss. Historisch interessant ist das Gebäude unter anderem, weil es als aussagekräftiges Beispiel für die Architektur des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand von 1539 gilt.

Als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ ist das „Haus Rose“ am Marktplatz eingestuft, das von 2011 bis 2016 saniert wurde. Auch dieses Gebäude wurde im Folgejahr des großen Stadtbrands von 1539 wiederaufgebaut. Das Hauptgebäude in der Herrenstraße wurde denkmalgerecht aufwendig saniert. So entstanden zwei großzügige Wohneinheiten sowie ein Büro für die notarielle Nutzung. Das hintere Gebäude zur Braugasse wurde für eine moderne Wohn- und Arbeitsnutzung saniert.

Erhalten geblieben und erneuert wurde im ersten Obergeschoss eine Holztafeldecke aus der Renaissance sowie im zweiten Obergeschoss eine historische Stuckdecke mit Ornamenten und historischem Raumteiler. Erschlossen ist das Gebäude neben einem modernen Treppenhaus durch einen behindertengerechten Aufzug über alle Etagen.

Zu den vielen Überraschungen, die mit dieser Sanierung einhergingen, gehörte auch die historische Farbfassung zum Marktplatz hin mit einer einzigartigen spätbarocken Fassadenmalerei. Sie wurde wiederhergestellt und verleiht dem Gebäude ein besonders attraktives Gesicht.

Altstadt Haus Reimer (Quelle: Stadt Wangen im Allgäu Pressestelle)
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