10 Jahre“KoKi – Frühe Hilfen“ Memmingen

23.1.2020 Memmingen. „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, heißt es im Volksmund – die mittragende Dorfgemeinschaft falle heutzutage häufig aus, einen modernen Ansatz dazu stelle jedoch das Netzwerk der KoKi dar, erklärte der Kinderarzt, Wissenschaftler und Buchautor Dr. Herbert Renz-Polster in einem Vortrag zum zehnjährigen Bestehen der Koordinierenden Kinderschutzstelle „KoKi – Frühe Hilfen“ in Memmingen.

„Manche Eltern haben schlechte Karten auf der Hand, ihnen gilt es so viel wie möglich zu helfen“, betonte Renz-Polster.

Seit zehn Jahren bietet das Jugendamt mit der KoKi in Memmingen Beratung und Hilfe für Mütter und Väter rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten drei Lebensjahre ihrer Kinder an. Aufgebaut von Ursula Karst und Norbert Moritz, wird die KoKi heute geleitet von Ariane Lässle und Veronika Traub.

„Sie haben wirklich Pionierarbeit geleistet. Die KoKi hat ein enges Netzwerk an Hilfsangeboten geknüpft, damit Eltern frühzeitig und unbürokratisch begleitet werden können“, würdigte Oberbürgermeister Manfred Schilder. „Es wird sehr viel für Familien in Memmingen getan. Leider kann man auch bei noch so umfassenden Hilfsangeboten eine Misshandlung von Kindern nicht immer verhindern, wie der aktuelle Fall zeigt.“

„Städtische Behörden können ergänzend, manchmal auch ersetzend Hilfe anbieten oder bei Gefährdungen auch intervenieren, aber hundertprozentige Sicherheit für Kinder können wir trotzdem leider nicht garantieren“, erklärte Jugendamtsleiter Michael Wagner. „Elternrechte haben zurecht einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Genauso liegt die Verantwortung für ihre Kinder primär bei den Eltern. Das staatliche Wächteramt kommt nur bei erkannten Gefährdungen des Kindeswohls zum Tragen.“

„Was können wir `Experten´ tun, um Eltern zu stärken?“ lautete der Titel des Vortrags von Dr. Renz-Polster. Genauso wie Kinder, suchen auch Eltern nach Sicherheit, Anerkennung und Dazugehörigkeit, betonte der Referent. „Wie muss unsere Haltung gegenüber Familien sein, denen es schlecht geht? Gegenüber Eltern mit Suchtproblemen, in prekären Beziehungen, mit Sorgen, ob sie ihre Wohnung verlieren könnten?“

Diesen Eltern gelte es, eine positive Haltung entgegenzubringen und sie auf einen Weg zu führen, der ihnen Sicherheit bringt, so der Experte. „Es ist wichtig anerkennend mit ihnen umgehen, auch wenn sie anstrengend sind.“ Genau wie bei Kindern seien gerade die Schwierigen diejenigen, die besondere Hilfe brauchten. „Ihnen müssen wir eine Brücke in die Gruppe schlagen.“

Es brauche viel Versorgung, Schutz, Anerkennung und Hilfe, damit Kinder lernen könnten und als Erwachsene mit wachen Augen, Mut und Freude am Gestalten von Beziehungen einen guten Platz in der Gesellschaft einnehmen.

„Wenn die Grundbedürfnisse der Kinder erfüllt sind, wenn sie wissen, hier bin ich beschützt, hier gehöre ich dazu, hier darf ich sein und bin anerkannt, wenn sie sich in ihrer Beziehungswelt rundum wohlfühlen, dann machen sie die Augen auf und beginnen zu entdecken. Bindung macht Kinder frei“, erklärte Renz-Polster und betonte: „Wir können Kinder nicht stark machen, aber wir können den Rahmen schaffen, dass sie stärkende Erfahrungen machen.“

Oberbürgermeister Manfred Schilder begrüßte den renommierten Kinderarzt, Wissenschaftler und Buchautor Dr. Herbert Renz-Polster im Rathaus. Der Experte referierte zum Thema „Was können wir ´Experten` tun, um Eltern zu stärken?“ (Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)
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